Held des Alltags

Mein Mann tut oft Dinge für mich, die er eigentlich nicht tun möchte. Er besitzt eine starke Willenskraft. Dafür bewundere ich ihn sehr. Heute morgen musste er eine Urinprobe von unserem Hund für den Tierarzt besorgen. Tapfer und bewaffnet mit Gummihandschuhen, Urinbecher, an unseren alten Wischerstab geklebt, und Hund ging er nach draußen. Schatz, ich bin sehr stolz auf dich, dass du dich allen Herausforderungen des Alltags so souverän stellst. Ich hätte mit dieser Aufgabe so meine Probleme gehabt. Unsere Hundedame ist nun 13 Menschenjahre alt. Sie geht langsam aber sicher auf die 100 Hundejahre zu. Hoffentlich haben wir noch einige gemeinsame Monate. Geht ihre Zeit schneller vorbei als wir jetzt vermuten, werden wir uns dem auch gemeinsam stellen.

Pärchen-Effekt

In einer festen Beziehung passt man sich an. Das ist unvermeidlich. Lebt man einige Jahre zusammen gewöhnt man sich sehr aneinander. Mein Mann und ich ziehen uns in letzter Zeit oft die gleichen Farben an. Wer es als erstes unter die Dusche schafft gibt dabei den „Ton“ vor. Wir sprechen uns nicht ab. Uns selbst fällt es erst auf, wenn wir angezogen voreinander stehen. Indem wir sehen was der andere sich für den Tag aus dem Schrank holt greifen wir zu der selben Farbe ohne bewusst darüber nachzudenken. Bevor ich meinen Mann kannte gab es nur wenige knallige Farben in meinem Schrank. Mir waren ruhige, gedeckte Töne am liebsten. Einige Monate nach dem wir zusammengezogen sind hielt das erste Gelb und ein knalliges Grün Einzug, in meinen Kleiderschrank. Mein Mann brachte wieder Farbe in mein Leben.

Überraschung

Mein Mann hat mich gestern sehr überrascht. Mir blieb richtig die Sprache weg. Er stand im Bad, wusch sich die Hände, drehte sich zu mir um und meinte: “Das Bad ist auch mal wieder dran“. Aus unserer Beziehungssprache übersetzt heißt das, er putzt am Wochenende das Bad. Ich war so baff, ich konnte gar nichts antworten. Irritiert bin ich ins Wohnzimmer gelaufen und habe mich erst mal hingesetzt. Das hat er in sechs Jahren Beziehung noch nie zu mir gesagt. Selbst jetzt, wo ich das aufschreibe bin ich völlig fertig. Meint ihr er wurde von Außerirdischen entführt? Mal sehen ob seinen großen Worten auch Taten folgen und er wirklich dieses Wochenende unaufgefordert das Bad putzt. Ich weiß allerdings noch nicht genau, wie ich dann damit psychisch und seelisch fertig werden soll.

Jahreszeiten

Jetzt, im Sommer ist Deutschland grün. Manchmal auch gelb und blau, aber vor allem grün. Früher ist mir das nicht so sehr aufgefallen. Es ist einfach schön die Bäume, Wiesen und Felder bewusst zu betrachten. Wie ein Eichhörnchen das Nüsse für den Winter sammelt, sammle ich innere Bilder für die kalte Jahreszeit. Ich hab auch nichts gegen einen weissen Winter. Die letzten Jahre habe ich leider nicht viel Schnee gesehen. Der Herbst mit seinen vielen Farben ist auch schön. Eigentlich hat so jede Jahreszeit ihre Vor- und Nachteile. Wie unsere Lebensabschnitte eben auch.

40-Stunden-Woche

Halte ich für übertrieben, für jeden. Mit dem Wissen, dass es für die junge Generation nur wenig stattliche Rente geben wird, sollte sich jeder Gedanken darüber machen, was und wie viel er im Arbeitsleben für den Rest seines Lebens leisten kann. Die 40-Stunden-Woche als gesellschaftliche Norm entspricht nicht mehr der modernen Arbeitsrealität. Die Arbeitsintensität und der Leistungsdruck sind enorm, unsere Möglichkeiten sind aber begrenzt. Manchmal denke ich, wir vergessen, dass wir Menschen sind. Chronische und psychische Krankheiten aller Art nehmen zu, weil wir den natürlichen Bedürfnissen unseres Körpers nicht genug Beachtung schenken können. Ein Bauer im Mittelalter hat nicht mehr gearbeitet als wir heute. Mit dem Unterschied, dass sich die Arbeit nach den Jahreszeiten richtete und er sich den Rest selbst einteilen konnte. Historische Studien zeigen, dass von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gearbeitet wurde, mit ausgedehnten Pausen für jede Mahlzeit und ein Mittagsschläfchen. Das würde heute kein Arbeitgeber mitmachen.

Mein Mann

Warum ist mein Mann eigentlich so großartig? Er besitzt die außergewöhnliche Fähigkeit, auf seine innere Stimme zu hören, statt mit dem Strom zu schwimmen. Gesellschaftlicher Konzens schön und gut, aber er geht seinen Weg, auf seine eigene Weise. Er ist stark, körperlich und psychisch, dabei aber nicht überheblich. Er ist klug genug, zu wissen, dass er nicht alles weiß. Er kann vertrauen. Auch nach einigen Jahren Beziehungsleben ist er mir manchmal ein Rätsel. Er überrascht mich oft. Er kann streiten, verzeihen und lachen. Das kann ich auch, aber trotzdem habe ich Angst davor, ihm nicht gerecht zu werden. Diesen Mann zu heiraten, war die beste Entscheidung, die ich je in meinem Leben getroffen habe.

Familie

Heute war wieder Schwiegerfamilien-Tag. In dem ersten Jahr unserer Beziehung waren solche Tage für mich immer Stress pur. Mittlerweile ist es Entspannung pur. Die leckeren Rippchen vom Grill haben meiner Meinung nach sogar magische Heilkräfte. Heute haben mein Mann und ich deutlich die Kraft gespürt, die einem Familie geben kann. Klar ist das nicht bei jedem Treffen so. Manchmal ist man dann auch froh, wenn es vorbei ist. Doch heute wären wir gerne noch länger geblieben.

Intelligenz

Heute morgen hat unser Hund mal wieder alle Register gezogen. Wir wollten ausschlafen. Ich war schon, vor meinem Mann, wach und habe es mir noch mit meinem Kindle Reader neben ihm gemütlich gemacht. Ich wollte, dass er mal richtig ausschläft und von Nichts geweckt wird. Unser Hund sah das anders. Sie lief zur Tür raus und wieder rein. Steckte ihre Nase zu mir ins Bett, lies sich kurz kraulen und lief dann wieder weg. Als sie merkte, dass dies bei mir so gar nichts bewirkt legte sie sich kurz hin. Ich glaube sie dachte nach. Kurz darauf kam sie wieder rein lief ums das Bett herum, steckte ihre Nase zu meinem Mann unter die Decke und weckte ihn auf. Sie dachte wohl darüber nach, wie sie mich schnellst möglich aus dem Bett und mit ihr aufs Feld bekommt. Ihr Ergebnis: wecke den Ehemann. Sie hatte recht, 15 Minuten später starteten wir unseren morgendlichen Rundgang.

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Hoffnung

Heute im Bus auf dem Weg nach Hause, dachte ich darüber nach, dass unsere Gesellschaft vor die Hunde geht, weil alles immer künstlicher wird. Wir verlieren immer mehr den Kontakt zu unserer natürlichen Umgebung. Mit jedem Jahr etwas mehr. Mitten in meinen düsteren Gedanken stieg an einer Haltestelle ein älterer Mann ein. Er blieb irritiert hinter dem Busfahrer stehen. Anscheinend wusste er nicht so recht, was er machen sollte. Da steht von einem der vorderen Sitze ein Junge auf, um die zwölf Jahre alt und bietet ungefragt und äußerst feinfühlig, dem älteren Herrn seinen Sitz an. Es ist doch noch nicht alles verloren. So schlecht sieht es anscheinend gar nicht aus mit unserer Menschlichkeit. Der Junge hat mich sehr beeindruckt.

Müde

Zwischen meinem Mann und mir passierte nichts aufregendes, in den letzten Tagen. Wir bewältigen, was der Alltag so mit sich bringt und fallen dann totmüde ins Bett. Gestern habe ich mit meinem Mann telefoniert, während ich noch im Gespräch mit einer Freundin war. Wir verabschiedeten uns mit dem üblichen „Ich liebe dich“. Die grinst mich danach an und meinte das ich richtig zärtlich geklungen hätte. Vielleicht hatten wir, in den letzten Tagen, keine großen Liebesmomente, das macht aber nichts. Es ist auch schön abends, gemeinsam, müde ins Bett zu fallen und los zu schnarchen.